Bericht vom April 2017

Rotschwanz-Amazonen


Steckbrief der Rotschwanz-Amazone

Wissenschaftlicher Name: Amazona brasiliensis

Englischer Name: Red-tailed Amazon

Gesamtlänge: 36 cm

Gewicht: 350 – 400 Gramm

Verbreitung: Brasilien: Sao Paulo und Rio Grande do Sul.

Lebensraum: Küstennahe  Araukarienwälder

Gelegegrösse: 2 – 5 Eier

Brutdauer: 26 Tage

Nestlingsdauer:  gut zwei Monate

Geschlechtsreife: mit drei Jahren

Lebensdauer: einige Jahrzehnte



 

Die Rotschwanz-Amazonen werden seit Anfang der achtziger Jahre regelmäßig in der Schweiz gezüchtet. Diese Art wird bereits in der 10. Generation erfolgreich nachgezogen. Auch 2016 war ein gutes Zuchtjahr für die Rotschwanz-Amazonen in der Schweiz. In der APASG Zuchtstation wurden 3 Rotschwanz-Amazonen aufgezogen, die ersten 4 Wochen von den Eltern und danach von Hand. Die Jungen werden alle aus Sicherheitsgründen in die Handaufzucht genommen, da es sonst immer wieder Verluste gibt. Die Zucht dieser auf Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens geführten Art ist schon deshalb von großer Bedeutung, da nur eine sehr geringe Zahl von ihnen in Liebhaberhand gepflegt wird. Außer dem steht es auch um ihre Zukunft in Freiheit nicht zum Besten, da ihr Biotop, die küstennahen Araukarienwälder immer kleiner werden. Die Abholzung ist auch hier immer noch ein großes Thema. Leider werden wie überall auch hier immer wieder Bäume gefällt, die für dass überleben der Tiere sehr wichtig sind. Die Aufforstung für diese Gebiete ist nur ein kleiner Teil der Wiederherstellung des Biotops da es ja mindesten 15-30 Jahre dauert bis so ein Baum wieder für die Amazonen in Frage kommt. ( Bruthöhlen und Futter )


Arterhaltung in Liebhaberhand ist nur möglich, wenn jeder Züchter sich einen gesunden Bestand aufbaut und diesen auch immer wieder verjüngt. Gibt  man die Jungen immer weg, steht man beim Verlust nur eines Zuchttieres mit leeren Händen da. Und gerade bei solchen Arten ist es dann beinahe unmöglich, wieder einen geeigneten Partner zu finden. So ist es nicht sinnvoll, die ersten Jungen gleich abzugeben. Die eigenen Nachzuchten geben meist die besten Zuchttiere ab, schon weil sie an den Menschen gewöhnt sind und sich durch dessen unvermeidbare Gegenwart nicht gestört fühlen.


Doch nun zur Zucht

Das Zuchtpaar “Rotschwänze” wohnt in einer Voliere mit Innen- und Aussenflug. Rund herum hohe Bäume, die aber nicht zu dicht stehen, so dass die Vögel trotz dem jederzeit Sonne tanken können. Ein Naturstamm-Nistkasten befindet sich im Innenflug, wo auch gefüttert wird. Im Winter sorgt eine Deckenheizung für eine Mindesttemperatur von 10°C. Innen- und Aussenflug sind 1.2 Meter breit und haben eine Höhe von 2.2 Metern. Der Innenflug ist 2 Meter lang, der Aussenflug misst das Doppelte. Die weiteren Volieren mit anderen Rotschwanz- aber auch Pracht- und Granada-Amazonen befinden sich teils im Blickfeld. In der Brutzeit ist es für die Balz von großer Bedeutung, dass ein Paar nicht “alleine” ist. Durch den gegenseitigen Rufkontakt bringen sich die Paare in Brutstimmung.

Frische Zweige zum Zeitvertreib

Nebst den natürlichen Sitzästen von Obstbäumen erhalten die Amazonen frische, dünne Zweige von Weide oder Haselnuss, welche nach Herzenslust zernagt werden.

Als Grundfutter bekommen sie ein handelsübliches Papageienfutter, von Deli Natur  Amazonaspark Mix welches aber nur 20% Sonnenblumenkerne enthält. Außerdem setzt sich die Mischung aus verschiedenen Hirsesorten, Hanf- und Kardisaat, Weizen, Hafer und vielem mehr zusammen. und natürlich auch mit getrockneten Früchten ,Bananen, Mango ,Papaya etc.

   

Alles, was das Herz begehrt

Bei der Grünfütterung richtet sich der Züchter nach dem saisonalen Angebot. Kirschen Erdbeeren aber auch Himbeeren und später Holunder stehen auf dem Speiseplan. Auch verblühte Löwenzahnköpfe werden von den Vögeln gerne zerpflückt. Für die karge Winters- und Übergangszeit hält er allerdings mehrere hundert Liter Gefriergut bereit. Halbreifer Mais, Hagebutten aber auch die Früchte der Eberesche eignen sich besonders. Natürlich spielen Äpfel und Karotten eine wichtige Rolle in der Früchtepalette.

Um den Bedarf an Kalk und Mineralstoffen zu decken, bekommen die Amazonen Gritsteine von Deli Natur, sowie Quarz- und Muschelschalengrit.

 

Ausgeprägtes Balzverhalten

Mitte April war es dann so weit. Nachdem die Henne immer öfter den Nistkasten aufgesucht hatte und auch längere Zeit darin verblieben war, kam es zur Eiablage. In einem Abstand von zwei Tagen, folgte das zweite und dann noch ein drittes Ei. Ein erfreuliches Ergebnis der mehrere Wochen andauernden Balz, welche sich vor allem in den singenden Lautäusserungen des Männchens zeigte und sehr ausdauernd betrieben wurde, viel auffallender als bei vielen anderen Amazonenarten. Während der Balz und auch während der Brutzeit waren die Rotschwanz-Amazonen außergewöhnlich aggressiv. Solange der Züchter anwesend war, wurde er nicht aus den Augen gelassen.

Fünf Eier – Drei Junge

 

 

 

Die drei Jungen wurden mit vier Wochen aus dem Nest genommen, zur weiteren Handaufzucht.

 

18 - 24 Tage alt

Mit einem Monat wogen die Jungen  280 - 315 Gramm und auch das Grossgefieder begann sich allmählich in Form von immer länger werdenden Kielen zu zeigen. Mit  43 Tagen haben sie bereits das Höchstgewicht von 447 Gramm erreicht.  Die Befiederung geht schnell voran und wird immer vollkommener.

40 Tage alt

50 Tage alt


 

 

Mit 63 Tagen hatten sie ein Gewicht von 426 Gramm, sie hatten bereits wieder abgenommen. Mit gut zwei Monaten sind die Rotschwanz-Amazonen ausgewachsen. Rote Stirn und pflaumenblauer Kopf sind ihre Kennzeichen. Erst einmal ausgewachsen breiten die Jungen Amazonen auch häufig ihre Flügel aus und heben auch schon mal ab.

Im Alter von gut zwei Monaten starteten die Jungvögel bereits ihre ersten Flugversuche. Tage zuvor hatten sie schon bei jeder Gelegenheit ihre Flugmuskulatur gestärkt. Sie gediehen weiterhin prächtig und  waren mit neun Wochen flügge. Im Alter von zwölf Wochen waren auch alle entwöhnt und konnten zusammen in einen Jungflug entlassen werden.

Schon im Alter von drei Jahren werden sie vielleicht, wie ihre Eltern für eigenen Nachwuchs sorgen und dieser wunderschönen Art helfen mindestens in Züchterhand zu überleben.

 

Helfen sie mit auch dieser Art in Gefangenschaft zu erhalten  und unterstützen sie die Amazonasparkassociation (apasg.org) mit einer Spende oder als Gönnermitglied.

Bericht  von Hans Zehnder